Gerhard Tänzer
Porträt Gerhard Tänzer

Gerhard Tänzer

geboren 1937 in Nordhausen am Harz

Genre:

Lyrik, Dramatik

Zur Person:

Gerhard Tänzer wurde am 18. März 1937 in Nordhausen, einer thüringischen Stadt am Südrand des Harzes, geboren, besuchte die dortige Humboldt-Oberschule, arbeitete nach dem Abitur zwei Monate im Kalibergbau, verließ, da seine Aussichten auf ein gewünschtes Studium dahinschwanden, im Jahr 1955 die DDR und studierte von 1956 bis 1962 an der Universität Göttingen Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Nach dem Staatsexamen ging er in den niedersächsischen und 1967, nach der Heirat mit Janine Pitard aus Bordeaux, in den saarländischen Schuldienst, in dem er 33 Jahre am Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis unterrichtete. Er wohnt mit seiner Familie auf dem Beruser Berg bei Saarlouis.

Gerhard Tänzers literarische Tätigkeit begann um 1970 mit der Veröffentlichung konkreter Poesie, vor allem in der österreichischen Zeitschrift "neue texte", in Ausstellungen in Linz/Donau, Wien, Regensburg und Madrid, zuletzt 1980 in der Ausstellung "Vom Aussehen der Wörter" im Kunstmuseum (Sprengel-Museum) Hannover. Texte seiner konkreten Poesie verschickte er auch als Mail Art, insbesondere während der 80er Jahre an Partner in der DDR, und einer seiner Texte ist auf einem "Grenzstein" an der deutsch-französischen Grenze bei Berus zu lesen.

Ende der 70er Jahre schrieb Gerhard Tänzer sog. Alltagsgedichte, Momentaufnahmen täglichen Geschehens und des Erinnerns, zeitkritisch und mit einer bisweilen ironisch gebrochenen Melancholie, kehrte jedoch in den 80er Jahren mit seinem Buch "Schönes Blumenfeld. Kleine erotische Versschule", in dem er Vers-, Strophen- und Gedichtformen vorstellt und tradierte Themen zitiert, variiert, ironisiert und parodiert, zum Spielerischen zurück. In dieser Zeit wurden auch zwei Hörspiele von ihm gesendet, und zwei kleine Theaterstücke fanden ihre Bühne. Den beiden Ausdruckweisen, dem erzählenden Prosagedicht und dem Spiel mit Themen oder Formen, ist Gerhard Tänzer bis heute treu geblieben.
In jüngerer Zeit sind Texte von ihm in bibliophil gestalteten Büchern erschienen, und einige seiner Gedichte sind in einen kleinen St. Petersburger Verlag gelangt.

Neben seinen eigenen Werken hat sich Gerhard Tänzer auch um die Literatur seiner saarländischen Kollegen bemüht, so als Redakteur des Poesietelefons Saar in Saarbrücken (1979-1982) und als Mitherausgeber dreier saarländischer Anthologien.

Mitglied in literarischen bzw. Berufsorganisationen:

Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar

Die wichtigsten Auszeichnungen:

1984 Mitgewinner des Theaterstück-Wettbewerbs "Spielzeit-Zeitspiel" Bayreuth
1999 Kulturpreis für Kunst und Wissenschaft des Landkreises Saarlouis
2003 Saarlandlied-Preis


Werke

Bücher:

Im Saarl. Virtuellen Katalog verzeichnete Werke von Gerhard Tänzer

weitere:

  • "Schönes Blumenfeld. Kleine erotische Versschule", erweiterte Ausgabe, Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch Verlag 1988, 108 Seiten, ISBN 3-596-29221-2, vergriffen
  • "Sommerreise", deutsch-französisch-georgische Ausgabe, mit Zeichnungen von Aloys Ohlmann, Metz, Editions Voix, 14 Seiten, vergriffen
  • "Aktäon oder Die göttlichen Geliebten", Sonette, Handsatz von Francis van Maele, mit Serigraphien von Aloys Ohlmann, Redfox, Irland, Redfoxpress 2002, 32 Seiten, bibliophile Kassette nur vom Verlag

Beiträge:

Seit 1970 Beiträge in Literaturzeitschriften und Anthologien, zuletzt “Memoriae”,vier Gedichte, in “ndl” (neue deutsche literatur), hrg. von Jürgen Engler, Aufbau-Verlag, Berlin, 49. Jahrgang, Heft 6/2001, S. 79ff.

Herausgaben:

Mitherausgeber von

  • “VS-Saar Almanach ´80”, Dillingen, Queißer Verlagsgesellschaft 1980,
    ISBN 3-921 815-13-4
  • “Giftgrün”, Gedichte (saarländischer Autoren), St. Ingbert, Werner J. Röhrig
    Verlag 1984, ISBN 3-924 555-00-1
  • “Saarland im Text”, Lebach, Hempel Verlag 1991, ISBN 3-925 192-80-8
  • "Theobald Hock. Frühbarocke Gedichte",
    Conte Verlag, Saarbrücken 2007

    Stücke:

      • “Die Nachtwache”, Einakter, Uraufführung Studiobühne Bayreuth 1984, Regie: Werner Hildenbrand
      • “Der Schrei”, Einakter, Uraufführung Studiobühne Bayreuth 1986, Regie: Thomas Krauß

      Rundfunkbeiträge:

      • “Auskünfte – Autoren im Gespräch”, Lesung und Gespräch mit Arnfrid Astel, Saarländischer Rundfunk, Studiowelle, 1978“
      • Literatur am Samstag”, Lesung und Gespräch mit Arnfrid Astel über “Schönes Blumenfeld. Kleine erotische Versschule”, Saarländischer Rundfunk, Studiowelle, 1986
      • Vorstellung von Büchern (u. a. von Sigrid Damm, Reinhard Lettau, Johannes Kühn), Saarländischer Rundfunk, Studiowelle Saar/SR2, 1986 bis 1991
      • "Das Buch, das ich gern schriebe, aber vielleicht nie schreiben werde", Beitrag zur gleichnamigen Sendereihe von Rainer Petto, Saarländischer Rundfunk, SR2, 1989
      • "Reise im Winter von Deutschland nach Deutschland in meine Stadt oder vom Saarland nach Nordhausen am Harz", Saarländischer Rundfunk, SR2, 1990
      • Literatur im Gespräch
        Gerhard Tänzer: "Landstücke / Paysages", Lesung und Gespräch mit Ralph Schock, Saarländischer Rundfunk, SR2, 2007
      • Literatur im Gespräch
        Gerhard Tänzer: "Himmelbrand", Lesung und Gespräch mit Ralph Schock, Saarländischer Rundfunk, SR2, 2013

      Fernsehbeiträge:

      • “Die Nachtwache”, Video-Aufzeichnung einer Aufführung der StudiobühneBayreuth, Offener Kanal Saarbrücken 1990
      • Projektion von Gerhard Tänzers konkreter Poesie aus der Anthologie "Zwölf saarländische Autoren"
        im "Kulturspiegel" des Saarländischen Rundfunks 1980
      • Persönliche Vorstellung und Lesung von Gedichten in Alfred Guldens Fernsehfilm "Der Saargau", Teil 2, Südwest 3, 1983

      Hörspiele:

      • “Am Ende des Parks”, Saarländischer Rundfunk 1981, Regie: Ferdinand Ludwig
      • “Eine alte Geschichte”, Saarländischer Rundfunk 1987,Regie: Peter König

       

       

      Aus dem literarischen Schaffen:

      Textprobe

      Reimpaarvers

       

      Hahnenfuß – Liebesgruß

      Rittersporn, komm von vorn

       

      Maßliebchen, Jungfer im Grün,

      laßt mich vorüberziehn

       

      Schönhäutchen, Schönhäutchen,

      bist ein weißes Bräutchen

       

      O Minzen und Melissen,

      zu dir bin ich gerissen

       

      Lupinen und Liebstöckel,

      ich häng mich an dein Röckel

       

      Syringen, Sonnenflügel,

      o schöner Venushügel

       

      Godetien und Goldregen,

      ich muß mich zu dir legen

       

      Rosen und Ranunkeln,

      bei Tage und im Dunkeln

       

      Schleier-, Finger-, Seifenkraut,

      gerötet ist von Lust die Haut

       

      Bohnen und Begonien,

      ich bleib bei dir wohnien

       

      Schneeweißchen und Rosenkohl,

      wie geht es mir bei dir so wohl

       

      Ach Akelei, ach Akelei,

      ist die Liebe schon vorbei