Margret Roeckner

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geboren 1931 in Gnadental bei Schwäb. Hall

Genre:

Prosa

Zur Person:

Margret Roeckner geb. 28.3. 1931 in Gnadental bei Schw. Hall, seit 1959 verheiratet mit Eberhard Roeckner, Forstdirektor, drei Kinder. Eine Tochter ist 1979 bei einem Schulunfall gestorben. Mit der "Arbeit" des Trauerns hat die eigentliche schrift- stellerische Arbeit angefangen. Als ehemalige Kindergärtnerin bin ich bis heute bei der Ev. Familienbildungsstätte Saar- brücken in der Erwachsenenbildung tätig: Seminararbeit, Gesprächskreise und Schreibkurse. Ich war jahrelang Mitglied der Evang. Landessynode der Rheinischen Kirche. Seit 1981 lebe ich in Püttlingen, Ortsteil Köllerbach und bewirtschafte mit Freude einen großen Garten, der mir außer Obst und Gemüse vielerlei Einsichten schenkt, die sich dann in Gedichten, theologischen und philosophischen Texten wieder finden. Ein spirituelles Gartenbuch ist geschrieben und wartet auf die Veröffentlichung. Ich hoffe, ich werde noch einige Jahre schreibend gesund erleben dürfen.


Werke

Bücher:

Im Saarl. Virtuellen Katalog verzeichnete Werke von Margret Roeckner

weitere:

  • "Freude 365 Beispiele für gelebten Glauben. Das Andachtsbuch von Margret Roeckner" , Stuttgart, Kreuz-Verlag 1991,384 Seiten, Auflage 10.000 ISBN 3 7831 1106 4, vergriffen

 

Beiträge:

  • In Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes, 1987, Heft 5, S. 246 Das selbe Gedicht am 11.4.1988 in der Saarbrücker Zeitung
  • Zwei Gedichte bei der Europäischen Verbraucher-Ausstellung "Welt der Familie" am 17.9.1988 in Saarbrücken auf Stellwänden. Thema: "Chancen des Alters"
  • Zwei Beiträge für das "Saarländische Weihnachtsbuch", Lehnert-Verlag Saarbrücken, 1988
  • Gedichte in den Lyrik-Anthologien aus dem Czernik-Verlag/Edition L 1995, Frühjahr und Herbstausgaben, 1996, und 1997
  • Gedichte in Scriptum-Verlag Rothenberg/Schweiz - Politische Gedichte von Frauen, Sonderband 2, 1996
  • "Anthologie am Bahnhof". Püttlingen, Volkshochschule, Literaturwerkstatt Gerhard Tänzer, Dezember 1997, Seiten 25-29
  • Verlag am Eschbach: Gedichte in Ausgaben zur Weihnacht, 2001 und 2002
  • Beiträge in "Kinderzeit" Magazin für Erzieher/innen und Eltern, Düsseldorf
  • Seit Jahren Beiträge für "Frau und Mutter", Kreuz-Verlag Stuttgart, Monatsheft, ca. 30.000 Abonnentinnen

 

Rundfunkbeiträge:

Seit 1995 Beiträge für den Kirchenfunk des Saarländischen Rundfunks bei den Sendungen "Glauben heute" und "Lebenszeichen".

Aus dem literarischen Schaffen

Textprobe:

Leseprobe aus "Der Glanz der Jahre. Eine Familiensaga"


Noch nie hat die große Uhr so laut getickt wie heute. Oder ist das nur, weil es so totenstill ist im Haus? Die Nachbarin hat die Geschwister alle zu sich gerufen. "Kommt ein bisschen rüber zu mir", hatte sie gesagt, "aber du, Maria, bleibst besser daheim. Vielleicht braucht man dich bald." Nun sind aber seitdem schon zwei Stunden vergangen, und es ist immer stiller geworden im ganzen Haus. Kein Ton aus dem Schlafzimmer, wo Mutter liegt und das Geschwisterchen bekommen soll. Sogar der Kanarienvogel ist verstummt.
In Marias Bauch hat sich alles zusammengezogen, sie sitzt vor ihrem Schulheft, ohne zu schreiben und hat ihren langen braunen Zopf zwischen die Zähne genommen. Das beruhigt ein wenig. Horch, war das nicht eine Tür? Ja, richtig. Endlich! Frau Laible ist es und sie winkt Maria zu sich. Ach, Gott sei Dank! "Komm!" sagt sie, "du musst jetzt ganz tapfer sein, Maria!" Warum tapfer? Maria ist so schnell aufgesprungen, dass ihr Stuhl umkippt. "Pscht", sagt Frau Laible, "ganz ruhig, Maria, und langsam!" Ach, wie soll sie langsam sein, jetzt, wo endlich das Warten vorbei und das Kindlein da ist. Da aber sieht sie Frau Laibles ernstes Gesicht und erschrickt. Was ist nur? Schnell öffnet sie die Schlafzimmertür. Und da liegt die Mutter, ganz weiß im Gesicht - aber das war sie doch jedesmal - Vater kniet vor ihrem Bett, hat die Arme auf die Decken und den Kopf auf die Arme gelegt. Und seine Schultern beben. Mutter öffnet den Mund und bewegt die Lippen. Sie will etwas sagen, Maria versteht jedoch kein Wort. "Geh näher, Kind!" sagt Frau Laible. Maria fasst vorsichtig Mutters weiße Hand, und nun sieht sie mehr als sie hört, wie Mutterle flüstert: "Maria, meine kleine Große, gib Acht auf die Geschwister, versprich es mir!" Mutters Augen werden plötzlich ganz groß, auch ihr Gesicht. Es wird so fremd, zuckt sich schief, die Zungenspitze erscheint im Mundwinkel und verschwindet wieder. Frau Laible fahrt Mutter über Stirn und Augen. Und nun hat Mutter wieder ihr eigenes, gutes Gesicht. Nur die Augen sind jetzt geschlossen. Von Vater ein Aufstöhnen, sonst kein Laut. "Komm, Maria", sagt Frau Laible, "ja, du fragst: Was ist denn? Dein Mutterle ist gestorben. Gott hab sie selig!" Wie ist es möglich, dass sie gehen kann? Maria sieht sich die Klinke niederdrücken und durch die Tür gehen. Draußen ist kein Licht, es ist dämmerig geworden. Gut so, dann sieht man nichts mehr. Die Augen brennen so komisch. "Maria!" Und sie hört sich "ja" sagen, eine ganz andere Stimme als ihre eigene sagt dies Ja. "Maria, du solltest jetzt auch zu deinen Geschwistern gehen!" Mutterle tot. Das kann nicht sein. Aber ja, aber doch! Nein, gleich wird sie aufwachen. Es ist nur ein Traum. Bestimmt.
Sie schließt die Haustür hinter sich und steht nun im Garten. Der Vollmond ist schon aufgegangen. Wie eine große weiße Laterne. In der Ferne bellt ein Hund. Irgendwo haben sie Mist gefahren. Der scharfe Geruch mischt sich mit dem Duft der Blumen, der aus dem nassen Gras aufsteigt. Maria spürt: An diesen Augenblick wird sie sich ewig erinnern. Hat die Frau Laible nicht etwas von Ewigkeit gesagt? Ach nein: "Gott hab sie selig!" Warum? Maria schüttelt den Kopf, - ihr ist, als sollte sie alles abschütteln. "Die Geschwister" - hat Mutter gesagt. "Gib Acht auf die Geschwister. Versprich es mir!" Sie hat es ja gar nicht versprochen. Dazu war keine Zeit mehr. Jetzt, jetzt, wird sie es tun. Sofort. "Ich", beginnt sie, aber dann kann sie weiter keinen Laut mehr von sich geben, -