Josef Ollinger

Josef Ollinger

geboren 1938 in Nohn

Genre:

Regionale Sagen, Märchen, Gedichte, Kurzgeschichten, heimatkundliche Artikel, journalistische Artikel

Zur Person:

Geboren 1938 im saarländischen Nohn (damals war Nohn Bezirk Saarburg/Trier) und aufgewachsen auf dem Bauernhof seines Großvaters Peter Ollinger in Nohn. Dieses Leben auf dem Hof, der Umgang mit den Tieren und die bäuerliche Arbeit hat ihn nachhaltig geprägt und beeinflusst. Nach der Schulentlassung 1952 in der keramischen Industrie verschiedene Tätigkeiten wie Lagerarbeiter, Disponent und nach entsprechenden Lehrgängen Übernahme als kaufmännischer Angestellter. Von 1970 bis zum Vorruhestand 1994 in der Automobil-Industrie als Industrie-Fachwirt tätig.

Mitglied in literarischen bzw. Berufsorganisationen:

VS Saar

Werke

Bücher:

Im Saarl. Virtuellen Katalog verzeichnete Werke von Josef Ollinger

Geplante Buchprojekte:


Im Herbst 2016 erscheint "Bräuche von Saar und Mosel" im Regionalia Verlag, 53359 Rheinbach.

Geplant und in Arbeit in 2016/17:

 

  • "Die Sagen der Saar",
  • "Mein Opa und ich" (Erzählungen und Chronik)
  • "Flammen über Montclair", (Kurfürst Balduin gegen Raubritter Jakob)


Zeitungen:

Zahlreiche Artikel und Fotos für die Saarbrücker Zeitung (SZ) und den Trierischen Volksfreund (TV) (ab 1988)
Beiträge in der Wochenzeitung Paulinus und im Paulinus-Kalender


Aus dem Literarischen Schaffen

Textprobe:

Die Vögel im Bade

In unserem Vorgarten haben wir eine blaue Vogeltränke aus gebranntem Ton im Rasen stehen. Obenauf sitzt ein Vogel, ebenfalls aus blauem Ton. Die Schale ist oval, etwa 30 Zentimeter im Durchmesser und etwa 6 Zentimeter tief. Ich sorge dafür, dass die Vogeltränke immer mit frischem Wasser gefüllt ist, damit die Vögel dort trinken können, wenn es sehr heiß ist. Die Vögel nutzen dies auch regelmäßig, um sich mit dem Wasser zu erfrischen.
Sehr zur Freude meiner Frau und mir nutzen die Vögel die Tränke nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Bade. Von unserem Küchenfenster aus können wir die Badeprozedur sehr gut beobachten.
Es ist ein Amselpärchen, das regelmäßig zum Baden kommt. Zuerst kommt Herr Amsel, kenntlich am gelben Schnabel und schwarzem Gewand. Er setzt sich auf den Rand und trinkt genüsslich das frische Wasser. Dann guckt er zum Küchenfenster, ob wir ihn auch beobachten, und stürzt sich dann kopfüber in das Wasser. Im Wasser schlägt er mit den Flügeln, taucht den Kopf immer wieder ins Wasser und schüttelt sich anschließend. Dabei spritzt das Wasser nach allen Seiten. Herr Amsel genießt das Bad, man sieht es ihm an. Anschließend hüpft er aus dem Wasser, setzt sich auf den Rand, schüttelt sich das Wasser aus den Federn und putzt sich das Gefieder. Er hat anscheinend noch nicht genug, denn er stürzt sich nochmals in das Wasser, gleiche Prozedur. Nach mehrmaligen Kopfsprüngen springt er schließlich aus dem Bade, schüttelt sich ausgiebig und putzt nun endgültig sein Gefieder.
Während Herr Amsel im Bade war, hielt seine Frau Wache, denn die Nachbarskatze lag immer auf der Lauer und ist ganz wild auf frisches Vogelfleisch.
Nachdem der Herr Gemahl sein Schönheitsbad beendet hat, darf nun auch Frau Amsel in das Bad. Auch diese nutzt das Bad so ausgiebig wie ihr Herr Gemahl. Auch sie, kokett wie alle Frauen, lässt sich gerne beim Bade zusehen. Die Amsel schaut immer wieder zum Küchenfenster, ob wir ihr auch zusehen. Dabei tänzelt sie im Bade hin und her, taucht unter, ihre Flügel schlagen das Wasser, das es nach allen Seiten spritzt. Auch Frau Amsel steigt erst aus dem Bade, nachdem sie es ausgiebig genossen hat. Nun folgt ausgiebige Toilette und Flügelpflege. Während seine Frau im Bade war, hielt Herr Amsel Wache, damit seine Frau nicht gestört wurde.
Neuerdings hat sich zu den Amseln eine Bachstelze zum Bade hinzugesellt. Allerdings kommt die graziöse Bachstelze erst, wenn die Amseln nicht da sind. Denn diese sind sehr streitsüchtig und würden es nicht zulassen, dass jemand anders ihr Bad benutzt. Wenn die Luft rein ist, kommt die Bachstelze angeflogen. In zierlichen Schritten trippelt sie um das Bad und wippt dabei mit ihrem Schwanz. Sie springt auf den Beckenrand, trinkt in kleinen Schlückchen, wobei sie sehr aufmerksam nach allen Seiten sichert. Denn die Katze verschmäht auch keine Bachstelze zum Nachtisch.
Nun hüpft auch die Bachstelze ins Wasser und das gleiche Ritual wie bei den Amseln läuft ab. Nur ist bei der Bachstelze alles zierlicher, feiner. Auch sie stürzt sich kopfüber ins Wasser, schlägt mit den Flügeln und zieht eine richtige Show ab. Ein Nachbar, der mit seinem Hund vorbei kam, schaute ihr lange zu, schüttelte den Kopf und ging schließlich weiter. Auch er hatte seine Freude an dem schönen Schauspiel.
Nachdem die Bachstelze ihr Bad mehrmals wiederholt hatte, fand sie, dass es genug sei und hüpfte aus dem Wasser. Eine ausgiebige Toilette und sorgfältige Pflege des Federkleids beendete schließlich ihr Bad. Sie trippelte noch mehrmals um die Vogeltränke, wippte graziös mit ihrem Schwanz dabei und flog schließlich davon.
Ab und zu kommt auch einmal ein Sperling zum Bade, doch nur, wenn keine Amsel in der Nähe ist. Doch der Spatz badet nicht so ausgiebig wie Amsel und Bachstelze. Er macht es kurz und bündig, eben wie ein "Dreckspatz". Ich glaube, er hat Angst, dass ihn eine Amsel beim Bade erwischt. Dann wäre die Hölle los für den kleinen Sperling, den die Amseln beanspruchen das Bad ausschließlich für sich.
Ich hoffe, dass wir noch lange Freude an unseren Vögeln haben, wenn sie zu uns zum Bade kommen!
(19. Juli 2011)