Karin Klee

geboren 1961 in Losheim/Saar

Genre:

Prosa (Erzählungen, Kurzgechichten), Lyrik, Szene
alles in zwei Sprachen (Schriftdeutsch und/oder Platt)

Zur Person:

Aufgewachsen im Norden des Saarlandes, unvollendetes Studium der Philosophie, Literatur- und Sprachwissenschaft, ausgebildete Tageszeitungsredakteurin, zwei Kinder, schwere Hirnerkrankung, lebt und schreibt seither mit Einschränkungen aber nur noch literarisch in einem kleinen Ortsteil der Stadt Wadern.

Mitglied in literarischen bzw. Berufsorganisationen:

Mitglied der Bosener Gruppe (ist Sprecherin), Mitglied im literarischen Verein der Pfalz, Sektion Zweibrücken

Die wichtigsten Auszeichnungen:

Saarl. Mundartpreis 1984, Saarl. Journalistenpreis 1991/92, Kunstpreis Rheinland-Pfalz 2005


Werke

Bücher:

Im Saarl. Virtuellen Katalog verzeichnete Werke von Karin Klee

 

Beiträge:

  • ab 2004 Texte im Papaple (dreisprachige Litaraturzeitschrift aus Lothringen, Verlag "Gau & Griis"), erscheint viermal im Jahr
  • Text 'Gottes Wege' in der Anthologie "Von Wegen", Marsilius Verlag Speyer, ISBN: 3-929242-38-9, 13 Euro, erste Auflage 2005
  • Gedichtbeiträge in verschiedenen Anthologien des etaina-Verlages, Tholey

 

Stücke:

Kurzdrama: 'Die Nacht, die nie vorüber geht', gelesen in einer Nacht der Dramen im Rahmen des Wettbewerbes "drama Köln" 2003

Rundfunk-Beiträge:

  • Die Lyrikerin Sabine Göttel. Von Theo Schneider, SWR, 2003
  • Von einem Leben und vielen Toden. Portrait der Dichterin Inge Müller, SR 1996
  • „Friedhof der ermordeten Töchter“. Ingeborg Bachmanns „Todesarten“-Projekt in Historisch-kritischer Edition, SR 1996
  • Unbekanntes? Allzubekanntes! Zehn verschollene Texte aus dem Frühwerk Marieluise Fleißers, SR 1996
    „Zwischen gangbein und springbein“. Neue Texte der deutsch-sorbischen Dichterin Roza Domascyna, SR 1995
  • „Unter einem gewaltig mildtätigen horizont“. Annäherung an die deutsch-sorbische Autorin Roza Domascyna, SR 1992
  • Zwischentöne. Gabriele Reuter ­ Weimarer Schriftstellerin, SR 1991
  • Fische Fluten. Portrait der Lyrikerin Sabine Göttel. Von Marlene Grund, SR 1987
  • Spaziergänge. Gedichte von Sabine Göttel. Lesung und Gespräch mit Arnfrid Astel, SR 1985.

 

Weitere Werke:

siehe Homepage


Aus dem Literarischen Schaffen

Textprobe:

Auszug aus der Kurzgeschichte "Gottes Wege"

"Machen Sie sich doch nichts vor, Herr Pastor!" Frau Cassamorte wischt unwillig über den Altar. "So etwas lockt doch keinen faulen Katholiken mehr von der Couch. Da müssten Sie den Schafen zu Brot und Wein auch noch die passenden Spiele liefern...dann....aber auch nur vielleicht hätte der Glaube eine Chance. Außerdem würde mein Wein in diesem Fall nicht ausreichen. Sie wissen doch, dass mein Bruder nur einige wenige Hektar in La Mancha anbaut und er es auch ohne den Zwang zur Überproduktion schon schwer genug hat! Wäre ich nicht die Schwester und würde ich nicht während der Lese stets einspringen, wir könnten uns keine Flasche seines sensiblen Moscatel aus ökologischem Anbau leisten..." Die Stimme der Frau erreichte im letzten Satz eine temperamentvolle Lautstärke. Die Akustik in der Heilig-Kreuz-Kirche unterstützte ihre Rede. Es hörte sich an, als predige sie von der Kanzel herab.
"Beruhigen Sie sich, liebe Esperanca, das war ja nur so ein Gedanke. Eine Idee, wie ich die Räume dieses Gotteshauses wieder mit mehr Leben füllen könnte. Der Bischof hat mir erst vorgestern gemailt, wer aus unserer Gemeinde im letzten Jahr sich der Umarmung unserer Mutter Kirche für immer entzogen hat. Es waren sage und schreibe 13 der mir Anbefohlenen: 7 Männer, 6 Frauen, die meisten im Alter zwischen 20 und 40, verheiratet, single, geschieden, keiner verwitwet. Die Einkünfte an Kirchensteuern sind nun schon seit bald 20 Jahren konstant rückläufig. Der Bischof verlangt, dass ich mich darum kümmere. Er schreibt, ich solle meine Herde über die Risiken und Nebenwirkungen eines Kirchenaustrittes aufklären. Ich bin doch kein Apotheker..." Pastor Meier reibt sich müde die Augen.
"Diesen Menschen geht es nicht um's Geld. Sie verlangen nur, dass die Kirche humaner wird, dass sie für die Menschen da ist. Spätestens als unser neuer Bischof den Pastor Heine aus Amt und Würden verbannte, nur weil der ehrlich und öffentlich die Ökumene praktizierte, habe auch ich mit dem Gedanken gespielt, auszutreten." Frau Cassamorte stemmt energisch die Hände in die Taille.
"Gott bewahre Sie vor einem solchen Schritt! Ich dürfte Ihre Hilfe nicht mehr in Anspruch nehmen, wenn Sie... du lieber Himmel, nicht auszudenken! Was sollte ich ohne Sie... wie hat sich übrigens der junge Arbeiter angestellt, den ich zu Ihnen schickte? Er sollte sich doch heute früh bei Ihnen melden? Hat er?" Der Pastor setzt sich auf die Holzbank am Rande des Kirchenschiffes.
Frau Cassamorte zupft welke Blüten aus den Blumensträußen rund um den Altar: "Sie haben mir da einen Säufer geschickt. Er ist dumm, ungebildet und verschlagen. Eine Mischung, die mich rasend macht."
Der Mann Gottes schaut erstaunt: "Er ist kein Abtrünniger, nur ein Gestrauchelter. Wie stellt er sich an? Kommen Sie mit ihm zurecht?"
"Kommen Sie mit den Kirchenaustritten zurecht?" Die dunklen Augen der Frau blitzen den katholischen Würdenträger an.
"Gott behüte, Frau Cassamorte, habe ich Sie jetzt gestochen? Ich wollte nur wissen, ob dieser bedauernswerte Mensch etwas Vernünftiges zu Stande gebracht hat." Pastor Meier legt seine gefalteten Hände in den Schoß.
"Was soll so einer schon Vernünftiges zu Stande bringen!? Ich kann Ihnen erzählen, was er angestellt hat, wenn Sie das interessiert." Die Frau legt den Kopf schief und sieht den Herrn in Schwarz herausfordernd an.
Pfarrer Meier schaut freundlich: "Ja, los, sagen Sie es mir. Schließlich hat er auf mich nicht den schlechtesten Eindruck gemacht, als er sich vor einer Woche als neues Gemeindemitglied vorstellte und um Arbeit oder wenigstens etwas Beschäftigung fragte. Sicher, man sieht ihm sein Alkoholproblem an: das gerötete Gesicht, der glasige Blick. Aber er scheint handwerkliche Erfahrung zu haben, sein Händedruck jedenfalls..."
"Seine Fahne eilt ihm voraus, mit der Hygiene hat er es auch nicht so und er lügt, wenn er nur den Mund aufmacht. Aber Sie wollten ja wissen, was er angestellt hat: Sollen wir hier bleiben oder in den Beichtstuhl gehen?" Frau Cassamorte setzt sich neben den Kirchenmann.
Der blickt erstaunt: "Herrgott, hat er womöglich die Bänke in den Beichstühlen nicht richtig gestrichen?"
Die Frau schüttelt den Kopf: "Nein, so weit ist er nicht gekommen, das habe ich heute Nachmittag alleine gemacht."
Pfarrer Meier ist empört: "Was denn? Das haben Sie gemacht? Warum nicht er? Hat er wenigstens in der Sakristei aufgeräumt?"
Frau Cassamorte lächelt milde: "Wie man's nimmt. Wenn Sie darunter verstehen, dass er sich an unserem Wein zu schaffen machte, dann hat er in der Sakristei tatsächlich aufgeräumt."
Pfarrer Meier springt auf: "Was hat er? Unseren Muskateller gestohlen? Dass er nicht für Gotteslohn hier helfen sollte, war eigentlich klar. Aber auch, dass er sich hier nicht selbst bedienen darf."
"Da war der gute Mann aber anderer Meinung: ich erwischte ihn dabei, wie er mit zwei Flaschen Wein und dem Inhalt des Klingelbeutels von der letzten Kollekte für das Kirchenheizungsholz verschwinden wollte. Heute Morgen..."
"Was!?" unterbricht der Priester die Frau, "Was hat der getan? Wo war ich denn da? Konnten Sie noch etwas retten? Wieso haben Sie mich nicht gerufen?"
Frau Cassamorte blickt den Kirchenmann ruhig an: "Welche Ihrer Fragen soll ich zuerst beantworten?"
Der Pfarrer sieht sich um: "Wo ist der Kerl?"
Frau Cassamorte zeigt auf die Tür am Rande des Kirchenschiffes: "In der Rumpelkammer neben der Sakristei."
"Was macht er da?" Der Mann in Schwarz zieht die Augenbrauen hoch.
"Er liegt da." Die Frau lächelt freundlich.
"Wieso liegt er da?" Der Geistliche öffnet die Augen ganz weit.
"Weil er tot ist." Die Frau nickt und senkt zufrieden die Lider.
Der Mann bekreuzigt sich: "Gott steh uns beiden bei und sei uns gnädig! Wieso ist er tot?" Die Frau faltet die Hände: "Weil der Heilige Josef auf ihn gefallen ist."