Hans-Erich Kirsch

geboren 1957 in Dorf im Bohnental / Schmelz

Pseudonym:

Karl Hauser

Genre:

Prosa

Zur Person:

Geboren wurde ich am 25. Januar 1957 in meinem Elternhaus in Dorf, jetzt Dorf im Bohnental. Dorf im Bohnental ist ein Ortsteil der Gemeinde Schmelz.
Aufgewachsen bin ich in einer Bergmannsfamilie, die im Nebenerwerb Landwirtschaft und Nutztierhaltung betrieb.
Dem Besuch des Aufbaugymnasiums in Lebach folgte die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel.
Danach war ich bis 1983 als kaufmännischer Angestellter tätig, auch schon als Autor, und zwar mit dem Ziel, meine literarische Berufung zu meinem Beruf zu etablieren.
Seit meiner Geburt wohne ich in Dorf im Bohnental. Bereits in meiner Jugend begann ich mit dem Schreiben.

Mitglied in literarischen bzw. Berufsorganisationen:

Freier Deutscher Autorenverband (FDA), Melusine


Werke

Bücher:

Die Texte und Fragmente des Walter Stein, Borsdorf, edition winterwork, 2013

Im Saarl. Virtuellen Katalog verzeichnete Werke von Hans-Erich Kirsch

 

Weitere Werke:

siehe Homepage


Aus dem Literarischen Schaffen

Textprobe:

Ein Abend im späten November

Hell und klar läutet eigentümlich, einzigartig und wie ein lebendiges Kind das Glöcklein der Überrother Kapelle um Viertel vor Sieben den Abend ein von unten aus dem Tal. Aus den Lüften rufen Kranichzüge, einer nach dem andren, ihren mich tief berührenden Ruf der Freiheit hinunter zu mir. Ich sitze in der Dunkelheit auf der Bank eingangs Langheck auf der Höhe. Aus dem Bohnental senden die Lichterseen der Ortschaften Leuchtbotschaften zu mir hoch. Halblinks schickt die Beleuchtung des Schaumbergturms einen Lichtkegel wie eine leuchtende Glocke als hellen Schein hinauf, der den Turm umgibt, als wäre dieser ein Heiligenkopf. Frei fliegen die Kraniche, sie ziehen nach Süden. Wissend um die große Freiheit ihrer Brüder und Schwestern am schwarzen Himmel, klagt ihre gefiederte Verwandtschaft, eingesperrt am Boden im Stall, beengt aus dem Herzen. Aus dem dunklen Wald tropft es nach dem Regen von den Blättern hernieder auf den Waldweg. Das Aufschlagen der Tropfen auf die Erde scheint mir in meinem stillen Sitzen wie Schritte von Zwei- oder Vierbeinern. Zwei Zigaretten hintereinander dauert die Zeit, die ich verweile an dem Platz, an dem mir heute die Seele bekümmert baumelt wie die Beine eines bestraften Kinds vom zu hohen Stuhl für Erwachsene. Nach dem letzten Ziehen aus dem zweiten Stängel, der glimmt hell und weit, verratend meine Gegenwart im Finstren, verlasse ich die Bank. Mit der Natur versinkt im Spätherbst auch mein Mut. Es ist Zeit, die Lichter in die Fenster zu hängen, um dem düstren Herzen etwas Trost zu spenden. Heimwärts trägt mich mein motorisiertes rotes Pferd, stärker als vier der vierfüßigen lebenden Pferde unten am Allenwald im Schuppen bei der Koppel. Das Licht in der Stube beleuchtet mir hell den Küchentisch. Ausnahmsweise einmal ganz genügsam, wähle ich einen rotwangigen Apfel und ein Butterbrot als Abendmahl. Müde lege ich mich dann ins warme, weiche Bett und danke Gott im Denken ans Los derer, die unter Brücken lange, kalte Nächte schlafen müssen. Ihre Decken aus Zeitungspapier werden feucht von der dunstigen Luft unter der Brücke. Am Morgen werfen sie meinen Gedanken an sie, in der Zeitung gedruckt, zerknüllt in den reißenden, tosenden Fluss, damit er untersinke wie meine Seele im späten November.
Den Mut aufzugeben ist die einzige Sünde, kommt mir ein rettendes Zitat in den Sinn. Es bringt mir den erholsamen, wohltuenden Schlaf wie ein verfrühtes, vorgezogenes Weihnachtsgeschnk aus dem Himmel.