Klaus Behringer

Klaus Meinrad Behringer

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geboren 1958 in Saarbrücken

Genre:

Kurz- und Langprosa, literarische Reportagen, Essays, Kritiken, Fotografie

Zur Person:

1958 in Saarbrücken geboren. Studium der Physik, Mathematik und Erziehungswissenschaft.
Nach einigen Jahren Lehramt und nebenberuflichem Schreiben seit 1993 freier Schriftsteller, Journalist, Lektor, Herausgeber und Dozent.

Mitglied in literarischen bzw. Berufsorganisationen:

VS Saar (Vorsitzender ab 1995)
P.E.N.-Zentrum Deutschland

Die wichtigsten Auszeichnungen:

1989 Förderstipendium der Stadt Saarbrücken für Literatur
1997 Arbeitsstipendium in der Casa Baldi (Olèvano Romano)
2000 Arbeitsstipendium in der Bosener Mühle
2002 Stipendium im Schloss Wiepersdorf
2004 Stipendium im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop
2006 Urwaldschreiber im Urwald vor den Toren der Stadt


Werke

Bücher:

Im Saarl. Virtuellen Katalog verzeichnete Werke von Klaus Behringer

weitere:

  • Penischen und Kabinenkreuzer, 1993 (mit T. Mörgen)
  • Von der Roten Burg zum Mondsee, 1993 (mit T. Mörgen)
  • Schuh über Kopf, 1993 (mit T. Mörgen und S. Pfundstein)
  • Sagenhaft Kohle, 1994 (mit T. Mörgen und S. Pfundstein)
  • Vom Nutzen der Koksgase für die Lunge, 1994
  • Die Königseltern auf dem Baugerüst, 1994
  • 87 Kirchtürme und 100 Dörfer. Blick von der Colline inspirée, 1995
  • Weißes Gold und Scherben, 1996 (mit N. Hucke)
  • Im Skriptorium von Echternach, 1998 (mit U. Schmidt-Fehringer)
  • Manilahanf und Silbersand, 2000 (mit A. Dury)
  • Kohle gegen Eier, schwarz gegen weiß, 2000 (mit A. Dury)
  • Gehirntier, verschwunden im Werk? Ein Nicht-Geburtstags-Programm für Arno Schmidt, 2004
  • Vor 25 Jahren: Ein Dialog zwischen Blinden und Taubstummen? – Der Saarbrücker VS-Kongress von 1984, 2009 (mit R. Schock)
  • 8 weitere Hörfunksendungen in den Reihen Autoren in Gespräch und Literatur am Samstag, Saarländischer Rundfunk, jeweils ca. 55 Min.

 

Bücher:

  • Tot Mann Schaltung (Romanfragment, Hörfunk). Saarbrücken: Saarländischer Rundfunk, 1996

 

Beiträge:

diverse literarische Texte in Anthologien


Zeitungsberichte:

diverse literarische Texte, Artikel und Features in Zeitschriften

 

Herausgeber:

  • 1985-1990 Redakteur der Stadtzeitung Saarbrücken. U.a. Betreuung der Literaturseiten Stein & Feder.
  • 1990 Gründung des PoCul-Verlags für Politik & Cultur und der Literaturzeitschrift STRECKENLÆUFER und Herausgabe bis heute gemeinsam mit anderen. 

 

Mitherausgeber:

  • Einhornjagd & Grillenfang. 13 Jahre Saarbrücker Schule (Anthologie zu Arnfrid Astels literaturdidaktischer Arbeit an der Universität des Saarlandes, hg. mit Angela Fitz und Ralf Peter). Saarbrücken: PoCul, 1992 (vergriffen)
  • Ein Dialog zwischen Blinden und Taubstummen. Der VS-Kongreß 1984 in Saarbrücken (Dokumentation, hg. mit Ralph Schock und Uschi Schmidt-Fehringer). Blieskastel: Gollenstein, 1995, ISBN: 3-930008-21-1
  • Kähne, Kohle, Kußverwandtschaft. Ein Saarbrücker Lesebuch (Anthologie, hg. mit Marcella Berger und Fred Oberhauser). Saarbrücken: sdv, 1998, ISBN: 3-930843-40-4
    Randwortfaktor. Saarbrücker Literaturtage 1999. (Dokumentation, Mitherausgeber). Saarbrücken: PoCul, 2001, ISBN: 3-929435-11-X
  • Hans Arnfrid Astel: Was ich dir sagen will, kann ich dir zeigen. Saarbrücken: PoCul, 2001, ISBN 3-929435-13-6
  • Spielsysteme. Internationales Interaktionslabor, (Dokumentation, hg. mit Prof. Johannes Birringer) Saarbrücken: PoCul 2006, ISBN 978-3-929435-18-4
  • Werkausgabe Werner Laubscher: Das experimentelle Werk. Das romantische Werk, 2 Bände und 2 CDs, hg. 2007-8 mit Andreas Dury, Saarbrücken: PoCul, ISBN: 978-3-929435-20-7

 

Tonträger:

Ein Dialog zwischen Blinden und Taubstummen? – Der Saarbrücker VS-Kongreß von 1984 SR2-Edition No.2, (2009, mit R. Schock)

 

Rundfunkbeiträge:

zahlreiche Essays, Kritiken und literarische Features für den Saarländischen Rundfunk, wie etwa:

  • Penischen und Kabinenkreuzer, 1993 (mit T. Mörgen)
  • Von der Roten Burg zum Mondsee, 1993 (mit T. Mörgen)
  • Schuh über Kopf, 1993 (mit T. Mörgen und S. Pfundstein)
  • Sagenhaft Kohle, 1994 (mit T. Mörgen und S. Pfundstein)
  • Vom Nutzen der Koksgase für die Lunge, 1994
  • Die Königseltern auf dem Baugerüst, 1994
  • 87 Kirchtürme und 100 Dörfer. Blick von der Colline inspirée, 1995
  • Weißes Gold und Scherben, 1996 (mit N. Hucke)
  • "Von eines jeden Juden Seel...", 1996
  • Im Skriptorium von Echternach, 1998 (mit U. Schmidt-Fehringer)
  • Manilahanf und Silbersand, 2000 (mit A. Dury)
  • Kohle gegen Eier, schwarz gegen weiß, 2000 (mit A. Dury)
  • Gehirntier, verschwunden im Werk? Ein Nicht-Geburtstags-Programm für Arno Schmidt, 2004
  • Vor 25 Jahren: Ein Dialog zwischen Blinden und Taubstummen? – Der Saarbrücker VS-Kongress von 1984, 2009 (mit R. Schock)
  • 8 weitere Hörfunksendungen in den Reihen Autoren in Gespräch und Literatur am Samstag, Saarländischer Rundfunk, jeweils ca. 55 Min.

 

Sonstiges:

  • Lehraufträge an der Universität des Saarlandes seit 2003 zu Literarischem Schreiben und Essayistik: Eine bebrablaue Neoprenie. Ein praktisches Seminar zum Selberentwickeln poetischer, prosaischer und kritischer Versuche und Der Essay als Experiment und Spaziergang
  • Kreativ-Schreiben-Lehraufträge an der Volkshochschule Stadtverband/Regionalverband Saarbrücken seit 1996


Aus dem Literarischen Schaffen

Textprobe:

IC 350 Artemis

Mir war, ich hätte in einer großen Zeitung einen leidenschaftlichen Artikel gegen die Deutsche Bahn veröffentlicht. Jedenfalls lud mich Hartmut Mehdorn, Schröder-Freund Mehdorn -- der Bahn-vorstand also lud mich ein, ihn auf einer Intercityfahrt zu begleiten, wohl um mir die Pünktlichkeit und andere Tugenden seines Unternehmens zu beweisen.

Die Fahrt begann in Basel und führte zunächst auf Straßenbahnschienen mitten durch die Innenstadt. Verlegt waren Dreischienengleise, da s'Drämmli auf Schmalspur fährt. Schneller! hörten wir die Anweisung des Zugchefs an den Lokführer über Funk mit, und sahen die Passanten rascher nach rechts und links wegspringen. Gefährlich, dachte ich, doch Mehdorn machte stolze Miene, als müsse das nun so sein.

Das Wageninnere glich einem italienischen Triebwagen aus den Fünfzigern, graues Resopal, und ich fragte Mehdorn nach einem schöneren Sitzplatz. Wir betraten den nächsten Waggon, einen Schlafwagen. Völlig leer und dunkel, und obwohl gemütliche Sessel in einem Raum standen, war ich wieder unzufrieden: Hier schien niemand hinzugehören -- oder jedenfalls ich nicht, und wir stiegen aus.

Der Zug hatte gehalten, der Schlafwagen war auf ein Sackgleis geschoben und schon abgehängt worden. Das Abstellgleis verlief, vom Bahnhof durch ein schmales Kiefernwäldchen getrennt, an einer sonnigen Sandböschung. Ein paar Kinderfahrräder standen herum, wohl zum Umladen in einen anderen Wagen. Mehdorn eilte voraus in Richtung Bahnhof. Eine junge Frau bat mich, ihr beim Umladen der Fahrräder zu helfen. Sie war hübsch, nicht groß, blond. Wir zogen es vor, uns an die Böschung zu setzen, um die Sonne zu genießen. Sie trug nur einen Bikini und legte sich langsam auf den Rücken in den Sand. Ihr Lebenslauf stand mir plötzlich klar vor Augen, ja, lag er nicht frisch geschrieben neben ihr? Ein weißer Briefbogen wie für eine Bewerbung, ein Blick und ich wusste: 7 Jahre Gefängnis, Jugendknast, und erst seit 3 Jahren wieder draußen. Davor und danach zahlreiche schnelle Arbeitsplatzwechsel: mit jeder Stellung unzufrieden. Vorsicht, dachte ich, und fragte: Warum haben sie dich eingelocht?
Na, wegen Mord
, sagte sie und sandte mir einen Schmalblick.
Und wen hast du umgebracht?
Na, den Hirsch,
antwortete sie, als müsse ich das schon wissen.

Da erschrak ich, denn ich war ja selbst der Hirsch.
Doch dachte ich schnell: Keineangstkeineangst!, legte mich halb auf, halb neben sie, schlang meinen rechten Arm um ihre Schultern und küsste sie fest auf den Mund. Sie bewegte als Antwort die Hüften und schmiegte ihr rechtes Bein zwischen meine Schenkel, wir umklammerten und drückten uns. Dann standen wir auf.

Sie wollte mitfahren, und wir gingen einen Fußpfad durch den Kiefernhain zum Bahnhof. Mehdorn fehlte, dafür hatte er seinen Vertreter Daubertshäuser geschickt mit einem schwarzen Aktenköfferchen.

Am Bahnsteig stand auch schon der Intercity, von Binz nach Basel.

[aus: 5 Träume, STRECKENLÆUFER 28]